Projektbeschreibung

Ungleiche Schicksale: Reisende Zirkusleute in Europa zur Zeit des Nationalsozialismus [„Diverging Fates: Travelling Circus People in Europe under National Socialism“]: Dieses zweijähriges Pilotprojekt mit Wissenschaftlern aus fünf verschiedenen Ländern – Projektleiter Malte Gasche (Finnland), Ilsen About (Frankreich), Ethel Brooks (USA), Martin Holler (Deutschland), Raluca Bianca Roman (UK) – will nicht nur die universitäre Forschung, sondern auch die breite Öffentlichkeit für das Schicksal reisender Zirkusleute in Europa während des Nationalsozialismus sensibilisieren.

August Sander: Circus Artistes, 1926–1932
© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Cologne; KUVASTO, Helsinki, 2017

Zirkusse waren stets populäre Formen der Unterhaltung in Europa, multikulturell und integrativ. Hier konnten Darsteller aus aller Welt, von chinesischen Jongleuren bis zu afrikanischen Limbo-Tänzern, und Menschen mit körperlichen Besonderheiten, wie z. B. Kleinwüchsige, im Rampenlicht stehen. Überdies waren Zirkusse in der Lage, nationale Grenzen zu überschreiten sowie Städte und Dörfer zu durchqueren. Diesem weltoffenen Zirkusmilieu stand jedoch der nationalsozialistische Rassenwahn gegenüber, der Menschen unterschiedlicher Herkunft einer hierarchischen Wertung unterzog. Viele Zirkusse, die seit Generationen im Besitz von jüdischen, jenischen und Sinti-und-Roma-Familien waren, erhielten Auftrittsverbote, wurden enteignet und mussten um ihr Leben fürchten. Das Schicksal reisender Zirkusleute in der Zeit des Nationalsozialismus konnte jedoch im europäischen Vergleich divergieren. Unter den Zirkusdirektoren reichte das Spektrum von Profiteuren bis hin zu Lebensrettern verfolgter Artisten. Im Verlauf des Krieges wurden auch vermehrt ausländische Zwangsarbeiter an deutsche Zirkusse vermittelt.

Auf der Homepage unseres Projektes werden ausgewählte Lebensgeschichten sukzessive vorgestellt. Auf dieser Homepage und den sozialen Medienkanälen des Projekts laden wir alle Interessierten ein, mit uns zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Hinweise auf weitere Quellen, wie persönliche Nachlässe, sind ebenfalls sehr willkommen!

Autoren: Malte Gasche, Martin Holler

 

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